Worte der Erinnerung
Digitaler Gedenkraum
Manche Erinnerungen brauchen einen Ort. Einen, an dem Worte leuchten – und Geschichten nicht verloren gehen. Nimm dir Zeit zum Lesen und Innehalten. Und wenn es sich für dich richtig anfühlt, teile hier eigene Worte, Briefe, Gedichte oder Erinnerungen.

von NovaLisa
Man sagt, Zeit heilt Wunden.
Bullshit.
Zeit macht nur, dass man lernt,
mit den Narben zu laufen,
ohne ständig hinzufallen.
Aber sie brennen trotzdem,
wenn man im falschen Moment stolpert.
Früher hatten wir diesen geheimen Code,
ein Blick – und ich wusste:
„Ja, wir sagen Mama nichts.“
Früher waren unsere Zimmer durch Wände getrennt,
jetzt sind es Welten.
Dein Bett ist immer noch gemacht.
Dein Hoodie hängt noch an der Türklinke.
Manchmal setz ich mich rein,
schließ die Augen
und atme so tief,
als könnte ich dich zurückholen,
nur weil dein Geruch noch nicht
gegangen ist.
In der Schule fragen sie:
„Wie geht’s dir?“
Ich sag: „Gut.“
Weil „Gut“ passt in eine Pause zwischen
Mathe und Englisch.
„Scheiße“ passt nicht in den Stundenplan.
Leute denken, Trauer ist schwarz.
Nein.
Meine ist bunt.
Mal ist sie grau wie Regen,
mal rot wie Wut,
mal gelb wie der Sonnenuntergang,
den du nicht mehr siehst.
Und manchmal ist sie durchsichtig,
so dass keiner merkt, dass sie da ist –
außer mir.
Zwischen uns liegt ein Zimmer, das leer ist.